{"id":2070,"date":"2022-05-25T13:35:35","date_gmt":"2022-05-25T13:35:35","guid":{"rendered":"https:\/\/susestoisser.com\/?p=2070"},"modified":"2022-06-30T11:22:09","modified_gmt":"2022-06-30T11:22:09","slug":"_rosa-cloud_","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/susestoisser.com\/de\/_rosa-cloud_\/","title":{"rendered":"_rosa cloud_"},"content":{"rendered":"<h1>WAS SIEHT MAN WIRKLICH \u2013 WO SIND WIR HINGELANGT?<\/h1>\n<h2>Suse Stoissers Kunst als vermittelndes Element zwischen den Welten.<\/h2>\n<h2><\/h2>\n<h2>Guenther Holler-Schuster<\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Suse Stoissers Kunst geht grunds\u00e4tzlich von Gegens\u00e4tzen aus. Sowohl als Malerin wie auch als Bildhauerin ausgebildet, legt sie sich bis heute nicht fest, ob das Bild f\u00fcr sie entscheidend ist, oder das Objekt bzw. die dreidimensionale Gestaltung. Sie setzt signifikante Mittel der jeweiligen Disziplin in ihren teilweise installativen Konzeptionen ein. Dabei stellt sich die Materialfrage, die von der K\u00fcnstlerin stets inhaltlich beantwortet wird. Sie kombiniert typische Bildmedien wie Fotografie, Video, diverse Drucke oder auch Malerei bewusst mit Elementen der Skulptur wie Stein, Metall, Glas oder Kunststoff. Dadurch entstehen zum Teil r\u00e4umliche Anordnungen, die die Kunst als Situation begreifen lassen, weg vom Exponat. Man wird von einem Kontext in den n\u00e4chsten gef\u00fchrt und muss das Gesehene meist weiter fassen, als es in den klassischen Kategorien Malerei oder Bildhauerei \u00fcblich ist.<\/p>\n<p><em>_rosa cloud_<\/em> nannte sie ihre Ausstellung, die im Sommer 2020 in Leibnitz stattfand. Erstmals stellte Suse Stoisser damit in ihrer Heimatstadt aus. Ihr st\u00e4ndiges Reisen, das sie seit der Studienzeit zwischen Wien und Leibnitz, sp\u00e4ter zwischen den USA, Mexiko und Europa sowie in den letzten Jahren zwischen ihren Lebensmittelpunkten in Spanien und \u00d6sterreich hin und her treibt, unterbricht sie damit gleichsam. Mit diesen, zum Teil in der Pandemie entstandenen Arbeiten scheint die K\u00fcnstlerin gleichsam zu res\u00fcmieren. Ihre Themen haben sich gefestigt, ihre k\u00fcnstlerische Sprache hat sich verdichtet. Das Alte Kino in Leibnitz als Ausstellungsort wird in dem Moment zum zeitlichen Kristallisationspunkt. Die fr\u00fchen Erinnerungen an eine schleierhafte Vergangenheit und die Faktizit\u00e4t der Gegenwart sto\u00dfen hier aufeinander und erzeugen eine visuelle Vielfalt, ebenso ein h\u00f6chst subjektives Panorama des psychischen Empfindens.<\/p>\n<p>Das Bild der <em>_rosa cloud_<\/em> verk\u00f6rpert genau diese Mehrdeutigkeit. Die Silhouette eines Kindes \u2013 ein schwarzer Schatten \u2013 schwebt in einer rosa Wolke. Der unbestimmte Ort, die nicht definierte emotionale Situation angesichts der unendlichen Weite und die Mehrdeutigkeit der Begrifflichkeit schlie\u00dfen sich hier inhaltlich zum Symbol f\u00fcr den Kosmos und f\u00fcr die Vieldeutigkeit der Realit\u00e4t zusammen. Das verlorene Kind \u2013 f\u00fcr die K\u00fcnstlerin eine Identifikationsfigur \u2013 ist in einer ambivalenten Lage: Wird es durch die rosa Masse verschlungen oder steht die Wolke synonym f\u00fcr den Gl\u00fcckszustand, den die Paradiesvorstellungen verschiedenster Art versprechen? Die Wolken, der Himmel, die Unendlichkeit \u2013 all das ist nicht nur im meteorologischen Kontext oder sprachlichen Gebrauch relevant. Auch im religi\u00f6sen Kontext ist die Unbestimmtheit und Grenzenlosigkeit des Himmels zum Ort der Entscheidung, zum Ort der Gl\u00fcckseligkeit und zum ultimativen Versprechen geworden.<\/p>\n<p>Die Erfahrung der Virtualit\u00e4t in der digitalen Kultur l\u00e4sst auch eine andere Deutung der Szene zu. Pl\u00f6tzlich werden visuelle M\u00f6glichkeiten frei, die selbstverst\u00e4ndlich auch die Wahrnehmung beeinflussen. Raum- und Zeitvorstellungen geraten aus ihrer Logik und konfigurieren sich neu. Die Atmosph\u00e4re hat eine Entsprechung in der Infosph\u00e4re bekommen. In welcher Wirklichkeit existieren wir eigentlich? Daten werden heute in sogenannten \u201eClouds\u201c gelagert \u2013 riesige Server, die all das vom Menschen produzierte Datenmaterial speichern. Man kann sich konsequenterweise den Menschen auch mit einer st\u00e4ndig \u00fcber sich schwebenden \u201eCloud\u201c imaginieren. All seine Erinnerungen, sein Faktenwissen und seine Imaginationen schweben somit st\u00e4ndig \u00fcber ihm und begleiten ihn.<\/p>\n<p>Suse Stoisser thematisiert ihr Leben grunds\u00e4tzlich auch als Reise, als Bewegung durch unterschiedliche Raum- und Zeitzonen, unterschiedliche Bewusstseinsebenen. Ihre aktuellen Werke beziehen die Pandemie-Situation mit ein. Eine pl\u00f6tzliche St\u00f6rung, eine auf einmal existierende Verknappung und Verengung der eigenen wie der allgemeinen M\u00f6glichkeiten scheint die Introspektion intensiver erlebbar gemacht zu haben. Man bekommt das Gef\u00fchl des Alleinseins, der momentanen Leere. Verunsicherung und Hoffnung stellen sich als Emotion ein und die Realit\u00e4tssicht wird pl\u00f6tzlich eine v\u00f6llig andere.<\/p>\n<p>Die Werke, die entstanden, sind eigenartige Zeugen einer Vergangenheit, die aber eigentlich an die Zukunft gemahnen \u2013 Erinnerungen aus der Zukunft. Steine mit Metalleinschl\u00fcssen geben Zeugnis von einer vergangenen Kultur, sie werden in Vitrinen pr\u00e4sentiert, wie Ausgrabungen oder arch\u00e4ologische Funde. Jeder Stein, jedes St\u00fcck Holz tr\u00e4gt Information in sich, bildet die Zeit in sich ab und kommuniziert auf diese Wiese mit uns. Das <em>HASHTAG-<\/em>Zeichen, in poliertem Stahl in einen Felsbrocken eingearbeitet, wird pl\u00f6tzlich zum mythischen Enigma. Kommunikation auf unterschiedlichste Weise wird hier angedeutet. In einer zweiten Vitrine liegen Steine, die mit Glasplatten, auf denen Abbildungen von Rauch zu sehen sind, kombiniert sind. Der fl\u00fcchtige Zustand des Rauches wird im Bild (Glas) konserviert und repr\u00e4sentiert ein Naturereignis \u2013 Vulkanismus, Explosion, die bewegte Materie. Das Stadium des Vergehens wie das des Entstehens k\u00fcndigen hier an. Die Glasplatten haben das Format von derzeit gebr\u00e4uchlichen Smart-Phones. Die Gr\u00f6\u00dfe und das Format sind heute in der digitalen Kultur zur Norm geworden, wie die Din-Norm. Wir nehmen die Welt in bestimmten visuellen Mustern, Formaten, Bildstrukturen wahr. Diese sind kreativer Bestandteil unseres visuellen Bewusstseins. Am Smart-Phone verdichtet sich das Universum bzw. vervielfacht sich das Universum. Es wird zum Tr\u00e4ger einer Realit\u00e4t, die in dem Umfang niemals zuvor zur Verf\u00fcgung stand.<\/p>\n<p><em>STILL THERE\u00a0 <\/em>zeigt verschwommene Bilder von Waldlandschaften, die von jeweils einem Buchstaben bestimmt werden. Zusammen ergeben sie die W\u00f6rter \u201eForest\u201c und \u201eTree\u201c. Die Fotos wurden aus dem fahrenden Zug aufgenommen \u2013 am Weg zwischen Wien und Leibnitz. Die Gesamtkonzeption ist erneut mehrdeutig zu lesen. Der Weg als eine Konstante w\u00e4hrend der Jugend \u2013 vom Studienort zum Heimatort \u2013 aber auch als Sinnbild der Lebensdauer, der Ver\u00e4nderung bzw. der sich \u00fcberlagernden Bewusstseinsebenen. Erinnerungen aus verschiedenen Zeiten begleiten dabei die Reisende. Sie kommen in der Bewegungsunsch\u00e4rfe der Bilder zum Ausdruck. Die Bilder sind in Form von Taschen gestaltet \u2013 die Bilder haben Henkel an ihren Oberseiten. Die Gep\u00e4ckmetapher als zus\u00e4tzliches Element eines unbestimmten Inhalts, den man st\u00e4ndig mit sich tr\u00e4gt.<\/p>\n<p><em>WEREWOLF, THERE WOLF<\/em>\u00a0 ist \u00e4hnlichen Inhalts, jedoch diesmal nicht unter dem Aspekt der Reise. Auf einer polierten Edelstahlplatte ordnet die K\u00fcnstlerin Bilder von W\u00e4ldern an. Wieder unscharf, erneut beil\u00e4ufig, zeigen sie einen scheinbar beliebigen Ausschnitt der Wirklichkeit. Die in Tablet-Formaten mit gerundeten Ecken gearbeiteten unscharfen Bilder suggerieren Bewegung. Die umgebende Stahlplatte vermittelt Stabilit\u00e4t. Tats\u00e4chlich sind das drei Bildebenen, die hier aufeinander treffen. Die farbigen Waldfotos, die Silhouette eines Wolfes auf der Edelstahlplatte und das eigene Spiegelbild, das sich zus\u00e4tzlich durch die spiegelnde Metallplatte ergibt. Somit schlie\u00dft sich die Komposition zu einem mehrdeutigen Ensemble zusammen, das sowohl zeitliche als auch inhaltliche Unterschiede vereint. Der Wolf als Bewohner des Waldes und Protagonist zahlreicher Mythen wird zum Inbegriff des bedrohlichen Wesens. Seine negative Festlegung macht ihn auch zum Einsamen, zum Ausgesto\u00dfenen. Er ist hier aber auch selbst synonym des Bedrohten. Der Wald oder die Repr\u00e4sentation dessen, was wir mit dem Begriff \u201eWald\u201c verbinden, wird hier zum ambivalenten Ort \u2013 belassene Natur und Ort des potentiellen Schreckens. Die Symbolik, die Suse Stoisser hier einsetzt, ist sehr stark, archaisch und in allen von uns verankert. Wir alle k\u00f6nnen mit dem Wald, dem Wolf, dem Spiegelbild, etc. Unterschiedliches und Vielf\u00e4ltiges verbinden. Genau diese Bewusstseinsebenen werden in diesem Werk angesprochen. Die M\u00f6glichkeiten des Skulpturalen (Metall) scheinen f\u00fcr Stabilit\u00e4t zu stehen, w\u00e4hrend das Bild (Foto) Flexibilit\u00e4t, Ver\u00e4nderung zu verk\u00f6rpern scheint.<\/p>\n<p><em>SEARCH: KEIN SEILT\u00c4NZER, BLUE PLANET, HIDING\u00a0 <\/em>sind Fotos von Steinplatten, auf denen sich Flechten gebildet haben. Diese Mikroaufnahmen lassen die sp\u00e4ter blau und rot eingef\u00e4rbten pflanzlichen Strukturen von ihrer urspr\u00fcnglichen Bestimmung und inhaltlichen Bedeutung abweichen. Durch das \u201eClose Up\u201c kann man sich im Bild nicht mehr orientieren, man verliert das Gef\u00fchl f\u00fcr die realen Dimensionen. Die gef\u00e4rbten Flechten werden zu indifferenten Gebilden, die vieles sein k\u00f6nnten. Abstrakt und damit auch in ihrem Funktionszusammenhang unbestimmt geben sie erneut ein widerspr\u00fcchliches Bild ab. Auch diese Bilder sind in der ersten Lockdown-Phase im letzten Jahr entstanden. Die pl\u00f6tzlichen Ver\u00e4nderungen in der Natur, die vielen Effekte, die auf einmal sichtbar, erfahrbar und wahrnehmbar geworden sind, haben uns die Natur neu erleben lassen. Lange Bekanntes, bereits Vergessenes und \u00dcberlagertes dr\u00e4ngt sich pl\u00f6tzlich wieder in den Vordergrund. Wir wissen angesichts dieser Bilder nicht, wo wir sind. Die Mikrosichtweise gibt uns die M\u00f6glichkeit zur surrealen Sichtweise. Die menschlichen Schatten, die das Bild neben den bunten Flechten bestimmen, sind Identifikationshilfen. Wer sind diese Figuren, von denen nur Schatten sichtbar sind? Haben sie mit der Verf\u00e4rbung der Flechten zu tun oder sind sie die Leidtragenden des Farbwechsels der Pflanzen, wirkt sich deren Ver\u00e4nderung auf die eigene Befindlichkeit aus?<\/p>\n<p>Das Erleben der Realit\u00e4t wird immer komplexer. Wir erzeugen immer mehr Bilder. Unsere inneren Bilder dr\u00e4ngen immer weiter in die Realit\u00e4t, werden konkreter. Die visuelle \u00dcberforderung scheint uns genauso zu belasten wie sie uns auch einen Zuwachs an M\u00f6glichkeiten verschafft. Jedenfalls hat sich unser Bezug zur Realit\u00e4t damit ver\u00e4ndert. Die digitale Kultur tr\u00e4gt wesentlich dazu bei, dass wir uns im Gewohnten fremd f\u00fchlen. Das Naturerlebnis wird mehr und mehr zum vermittelten Erlebnis. Es wird ins Bild integriert und ist vom Bild abh\u00e4ngig, ist vielfach schon zum Bild geworden. Wir leben in dieser vermittelten Welt der Simulakren. Der Wald bzw. das Bild des Waldes wird damit genauso zum poetischen Ort wie er zum Sinnbild der Wildnis und des Unheimlichen, Kultischen und Mythischen geworden ist. Die mediale Umsetzung scheint dabei zwar einen Anteil zu haben, hat sich aber l\u00e4ngst zu einer neuen Realit\u00e4t konfiguriert. <em>WALD. 3 Dialoops <\/em>\u00a0ist eine Videoinstallation, die eine mehrteilige Projektion zu einer Waldlandschaft zusammenschlie\u00dft. Das Publikum hat das Gef\u00fchl einer Wanderung im Wald. Der Dramaturgie des Filmischen folgend fliegen die Bilder f\u00f6rmlich auf einen zu. Eine innere Sicht auf den Ort wird dabei konkret und nachvollziehbar. Der Ort vermittelt Unruhe, Bedrohung, genauso wie Fluchtpunkt, Erl\u00f6sung \u2013 jedenfalls ist es die eigene Seelenlandschaft, mit der man hier idealerweise verbunden wird.<\/p>\n<p>Die digitale Realit\u00e4t bzw. die Durchdringung dieser Realit\u00e4t mit der Wirklichkeit ist ein wesentliches Element in der Kunst von Suse Stoisser. Die Reduktion auf Daten, die heute eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit darstellt, nimmt sie immer wieder in ihren Arbeiten auf. Ist es eigentlich eine Reduktion \u2013 nicht eher eine explosionsartige Erweiterung? Wir k\u00f6nnen \u00fcber Daten wesentlich pr\u00e4zisere und vielf\u00e4ltigere Erkenntnisse erlangen als beispielsweise \u00fcber das Bild eines Menschen. Der Barcode beinhaltet wesentlich gr\u00f6\u00dfere Datenmengen und damit pr\u00e4zisere Interpretationsm\u00f6glichkeiten als beispielsweise ein gemaltes Portrait. Wobei man hier nochmals differenzieren muss. Denn auch das Bild ist vom jeweiligen Medium abh\u00e4ngig \u2013 ein R\u00f6ntgenbild sagt \u00fcber eine Person etwas anders aus als deren Passbild.<\/p>\n<p>Suse Stoisser hat in ihrem Werk <em>BAR CODE<\/em>\u00a0 ein imagin\u00e4res Portrait geschaffen. Wesentliche visuelle Voraussetzungen sind dabei gegeben: Format, Rahmen, Passepartout. Offensichtlich handelt es sich dabei um eine matt polierte Edelstahlplatte mit einem monumentalen Barcode in der unteren Bildh\u00e4lfte. Dieser Code k\u00f6nnte uns Auskunft geben \u00fcber das, was wir nicht sehen k\u00f6nnen. Die Verschl\u00fcsselung durch den Code gibt dem Nichtkundigen die M\u00f6glichkeit zu imaginieren. Mit einem entsprechenden Leseger\u00e4t k\u00f6nnte man den Code knacken. Im realen Leben steht man ebenfalls vor R\u00e4tseln, die st\u00e4ndig zu l\u00f6sen sind. Das Digitale hat scheinbar eine L\u00f6sung, der Barcode ist nur eine Verschl\u00fcsselung, die man entsprechend aufl\u00f6sen kann \u2013 eine Wunschvorstellung, die angesichts der Realit\u00e4t so nicht funktioniert. Der Barcode ist in seiner Bedeutung klar. Er beinhaltet nachvollziehbare Fakten in Daten transferiert, die jedoch nur unter bestimmten Bedingungen verst\u00e4ndlich werden. Das optische Erscheinungsbild des Barcodes ist abstrakt \u2013 nur vertikale Linien in unterschiedlichen Abst\u00e4nden geordnet.<\/p>\n<p>Die Kunst scheint ein \u00e4hnliches Ziel zu verfolgen. Auch dort verdichten sich Inhalte und treten in spezieller Form (Codes) zu Tage. Die Proportion zwischen Inhalt und visueller Sichtbarkeit macht das Kunstwerk aus. Im Bereich zwischen Gedanken und Sichtbarkeit entsteht unsere Wahrnehmung. Suse Stoissers Kunst bewegt sich genau zwischen diesen Bereichen und wird somit zu einem h\u00f6chst subjektiven Modell der menschlichen Realit\u00e4tswahrnehmung. Introspektion, Poesie und Sehnsucht verbinden sich dabei mit der harten Realit\u00e4t der sichtbaren, uns umgebenden Welt. Die erz\u00e4hlerische Kraft dieser Kunst bindet uns in die Konzeption ein, l\u00e4sst uns Teil der Narration werden und so die Realit\u00e4t ertragen. Unser eigenes Bewusstsein wird hier provoziert und in Gang gesetzt.<\/p>\n<p>Die verst\u00f6renden aber gleichzeitig auch vielerorts Hoffnung gebenden Effekte, die beispielsweise durch die Pandemie entstanden sind, werden als St\u00f6rf\u00e4lle bemerkt. Sie unterbrechen den allgemeinen Lauf der Dinge pl\u00f6tzlich, setzen aber wieder neue Wahrnehmungsprozesse in Gang. Das Digitale ist uns n\u00e4her gekommen. Die Realit\u00e4t des Bildes, die \u00dcberwindung der Distanzen durch technische Hilfsmittel, all das bestimmt ab jetzt unser Leben in wesentlich gr\u00f6\u00dferem Umfang als bisher \u2013 unsere Geschichte ist um ein wesentliches Kapitel reicher geworden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>G\u00fcnther Holler-Schuster.<\/strong> Kurator, Neue Galerie Graz. 2021<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>WAS SIEHT MAN WIRKLICH \u2013 WO SIND WIR HINGELANGT? Suse Stoissers Kunst als vermittelndes Element zwischen den Welten. 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